DAV-Wirtschaftsforum

DAV-Wirtschaftsforum2018-06-19T13:59:40+00:00
News:
Self Tracking: Die Gefahr des rein sachlichen Blickes

Gesundheitsdaten auszumessen birgt Chancen, aber auch die Gefahr, dass ein gefährlich rationaler Blick auf den Menschen entsteht. Das gab der Soziologe Professor Dr. Stefan Selke von der Hochschule Furtwangen gestern beim 55. Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands in Potsdam zu bedenken. Immer mehr Menschen gäben – etwa über Apps – freiwillig Gesundheits- und andere Daten preis, erklärte er und stellte Beispiele vor, wie etwa Krankenkassen diese nutzen: Zum Beispiel, indem Versicherte, die jeden Tag eine bestimmte Anzahl Schritte gehen und dies über ein spezielles Programm nachweisen, geringere Beiträge zahlen müssen.

In der Türkei seien solche und ähnliche Apps bereits Pflicht, in China besitze gar jeder Bürger einen bestimmten «Sozialkredit», erzählte der Professor. Je nach gesellschaftlichem und politischem Verhalten sowie finanzieller Bonität erwirbt er eine bestimmte Punktzahl, die etwa bei der Job- und Partnersuche angegeben wird.

Datenanalyse: Neue Chancen in der Versorgung

Arzneimittelbezogene Daten eröffnen auch Apotheken neue Chancen in der Versorgung. Darauf machte Frank Wartenberg (Foto) vom Informationsdienstleister IQVIA heute beim Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands in Potsdam aufmerksam. «Daten werden immer wichtiger, um gute Entscheidungen zu treffen», sagte er. So entwickelten sich auch die Auswertungen von Daten weiter und würden heute nicht mehr bloß einen Zustand beschreiben. Vielmehr ließen sich aus den Analysen auch Empfehlungen ableiten.
Im Apothekenalltag spielen Daten eine wichtige Rolle – auch in der betriebswirtschaftlichen Bewertung des eigenen Betriebs. «Apotheker können Daten nutzen, um vom Markt zu profitieren», so Wartenberg. So könnten Apotheker etwa analysieren, wie sich die eigenen Preise im Vergleich zur Konkurrenz darstellen und anschließend gezielt darauf reagieren. 

Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht wegzudenken

Die Protagonisten der Digitalisierung haben bei den Gesundheitsberufen einen schweren Stand. Bei einer Podiumsdiskussion während des DAV-Wirtschaftsforums waren sich Apotheker, Ärzte und Krankenkassenvertreter weitgehend einig, dass die Digitalisierung auch aus dem Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken ist. Vor allem bei administrativen Prozessen kann sie Abläufe vereinfachen.
Einig wie selten waren sich aber KBV-Chef Andreas Gassen, DAV-Vize Hans-Peter Hubmann, Nakos Mitarbeiterin Miriam Walther und TK-Chef Thomas Ballast darin, dass Digitalisierung im Gesundheitswesen nur dann eine Berechtigung hat, wenn sie den Menschen dient. 

Digital Health: Was ist in Deutschland möglich?

Digitalisierung ist das eine, kommt aber noch die personalisierte Medizin hinzu, dann sieht es so aus, dass Mediziner und Naturwissenschaftler ein großes Rad drehen wollen. Professor Erwin Böttinger (Foto) ist ein solcher Forscher. Gemeinsam mit seinen Kollegen an der medizinischen Universität Icahn am Mount Sinai in New York bringt Böttinger die beiden Disziplinen näher zusammen.
Böttinger ist davon überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, interdisziplinär die Medizin weiter voran zu treiben. «Die Medizin profitiert von den Ergebnissen der Digitalisierung.» Dies ermögliche die immer schnellere Entschlüsselung des Genoms. Mittlerweile seien die 3,5 Milliarden Basenpaare entschlüsselt. Das immer größere Wissen über deren Funktionen sei ein großer Schritt hin zu einer immer individuelleren Therapie, erklärte Böttinger beim Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) in Potsdam. 

DAV-Chef Becker: «Modernität braucht solides Fundament»

Um ihre geplanten Innovationen voranzutreiben, fordern die Apotheker Planungssicherheit und klare politische Eckpfeiler. «Wer die Apotheken vor Ort erhalten will, darf ihnen nicht an allen Ecken und Enden die Grundpfeiler entziehen», betonte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands (DAV) Fritz Becker (Foto). In seinem politischen Lagebericht auf dem 55. DAV-Wirtschaftsforum in Potsdam sagte er heute, an Eckpfeilern wie dem Erhalt der Apothekenpflicht, dem Fremd- und Mehrbesitzverbot sowie dem einheitlichen Apothekenabgabepreis sei nicht zu rütteln.

Versender legen im Rx-Markt zu

Der Versandhandel mit Arzneimitteln hat beim Absatz rezeptpflichtiger Präparate im vergangenen Jahr deutlich zugelegt – Präsenzapotheken hingegen gaben weniger Packungen ab. Das machte Claudia Korf (Foto), Leiterin des ABDA-Geschäftsbereichs Ökonomie, heute beim Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands (DAV) in Potsdam deutlich. Demnach konnten die Versender im vergangenen Jahr 5,8 Prozent mehr rezeptpflichtige Arzneimittelpackungen abgeben als 2016. Bei den öffentlichen Apotheken stand am Jahresende ein Minus von 0,3 Prozent.

Rx-Versandverbot: Paukenschlag beim DAV-Wirtschaftsforum

Der Rückhalt für ein Rx-Versandverbot bröckelt: CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich will einen Kurswechsel. Für seinen Vorstoß musste der Gesundheitspolitiker heute beim Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands (DAV) in Potsdam eine Menge Kritik einstecken. Aus Befürchtung, dass sich die Umsetzung des Verbots unnötig lang verschleppen könnte und es letztlich vielleicht zu keiner für die Apotheker befriedigenden Lösung kommt, plädierte Hennrich dafür, die bestehenden Preisvorteile der Versender zuungunsten der Vor-Ort-Apotheken über Änderungen im Sozialgesetzbuch abzufangen.