54. Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbandes: 26. und 27. April 2017

Pharmazeutische Zeitung

Pharmadialog: Haare in der Suppe

Beim 53. Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) in Berlin ging dessen Vorsitzender Fritz Becker (Foto) mit den Ergebnissen des sogenannten Pharmadialogs hart ins Gericht. Auch an dem parallel dazu veröffentlichten parlamentarischen Positionspapier der Bundestagsfraktionen CDU/CSU und SPD ließ er kaum ein gutes Haar.

So geht aus dem Papier hervor, dass die Gesundheitsexperten der Koalition den prozentualen Anteil des Apothekenhonorars als Reaktion auf den steigenden Anteil von hochpreisigen Arzneimitteln zukünftig deckeln wollen. «Dieses Ansinnen ist nicht nur eine Provokation für Apotheker, es ist schlichtweg eine Missachtung unserer Arbeit», kritisierte Becker diesen Vorschlag. Es sei absolut inakzeptabel, wenn die Politiker die auf Fixum und prozentuale Vergütung basierende und bewährte Mischkalkulation bei Fertigarzneimitteln nun infrage stellen. «Diese Mischkalkulation ist ein Ordnungsprinzip, das man nicht einfach am einen Ende, also bei teuren innovativen Arzneimitteln selektiv aushebeln kann, weil es einem gerade opportun erscheint.» Becker versprach, dass man sich mit allen Mitteln gegen diesen Vorschlag zur Wehr setzen werde.

Auch die Vorschläge der Gesundheitsexperten zur Reimportklausel findet Becker wenig gelungen. Er betonte, dass es für diese Regelung keinen Anlass mehr gibt. Im Gegenteil: Die Nachteile würden die Vorteile längst überwiegen. Es stünde außer Frage, dass die Unübersichtlichkeit der Beschaffungs-und Vertriebswege ein Einfallstor für Fälschungen bietet. «Irgendwelche Detailänderungen an den genauen Rahmenbedingungen sind nicht zielführend», sagte Becker im Hinblick auf den Vorschlag der Gesundheitspolitiker. Die Forderung sei, die Regelung komplett zu streichen. Insofern sei das Positionspapier auf halbem Wege stecken geblieben.

In Sachen Honorierung betonte der DAV-Vorsitzende, dass unter anderem eine Anpassung der Vergütung für die Versorgung mit Rezepturarzneimitteln und dokumentationspflichtigen Arzneimitteln dringend erfolgen muss. Damit führte Becker über zu einem positiven Ansatz des Papiers der Regierungsfraktionen. Denn die Gesundheitsexperten beabsichtigen, bei Rezepturen und Betäubungsmitteln eine verbesserte Honorierung zu prüfen.

Auch die Rabattverträge standen im Rahmen des Pharmadialogs auf der Agenda. Alle Probleme wurden dadurch jedoch nicht gelöst, wie Beckers Worte verdeutlichten. Der DAV-Vorsitzende unterstrich, dass der Berufsstand die Rabattverträge grundsätzlich unterstützt. Das gelte aber nur, wenn sich das jeweilige Arzneimittel dafür eignet und solange die freie Apothekenwahl des Patienten gesichert bleibt. Beide Voraussetzungen sind Becker zufolge bei Zytostatika nicht gegeben. «Im Sinne der Patienten und einer flächendeckenden Versorgung müssen Ausschreibungen von Zytostatika daher verboten werden!»
Mit Blick auf das Thema Rabattverträge forderte Becker die Kassen auf, über ihre Ausschreibungssystematik nachzudenken. Weg von den Exklusivverträgen mit einzelnen Herstellern und hin zum Mehrpartnermodell, so sein Appell. «Wir fordern, dass alle Krankenkassen bei der Ausschreibung von Rabattverträgen den Zuschlag an mindestens drei Bieter erteilen und somit der Apotheker in entsprechenden Fällen entscheiden kann, welches Rabattarzneimittel er abgibt.» Laut dem DAV-Vorsitzenden ließe sich das Problem mit Lieferengpässen bei Rabattarzneimitteln damit fast vollständig ausräumen. (ss)

Artikel erschienen in Pharmazeutischer Zeitung / Nachrichten, 27.04.2016