Apothekenwirtschaftsbericht 2017

Apothekenwirtschaftsbericht 2017 2017-04-27T11:06:21+00:00
Ort Datum Tag Von Bis Veranstaltungsart
Radisson Blu Hotel Berlin 26. Apr 2017 Mi 10:45 Uhr 12:00 Uhr Vortrag

Vor welchen wirtschaftlichen Herausforderungen standen die Apothekenleiter im vergangenen Jahr? Was sagen die verfügbaren Zahlen über die Umsätze und die Erträge aus?

Gerade nach dem EuGH-Urteil sind die aktuellen Wirtschaftsdaten rund um die Apotheke Grundlagen für die politische Vertretung ebenso wie für eine erfolgreiche Apothekenführung. Claudia Korf, Geschäftsführerin Wirtschaft, Soziales und Verträge der ABDA sowie Dr. Eckart Bauer, Abteilungsleiter Wirtschaft und Soziales der ABDA stellen sie zu Beginn des DAV-Wirtschaftsforums vor. Sie präsentieren dabei sowohl die bundesweiten Gesamtdaten als auch die betriebswirtschaftliche Entwicklung von durchschnittlichen Apotheken.

News:26.04.2017 l PZ

DAV-Wirtschaftsforum: Schöne Zahlen, trübe Aussicht

Eigentlich sind es «schöne Zahlen», die die Apotheker auf dem Wirtschaftsforum 2017 des Deutschen Apothekerverbands (DAV) in Berlin präsentieren können. Aber die Auseinandersetzung mit dem Arzneimittel-Versandhandel trübt die Aussicht. Ein ungebremstes Wachstum des Rx-Versandhandels führe langfristig zum «Todesstoß der flächendeckenden Versorgung mit Apotheken», das unterstrich Claudia Korf (Foto) von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände bei der Vorstellung des Apothekenwirtschaftsberichts 2017.

Eigentlich, so die ABDA-Geschäftsführerin Wirtschaft, Wirtschaft, Soziales und Verträge, könnte alles gut sein: So ist das Apothekenhonorar im Zehnjahreszeitraum moderat von 4,9 Prozent (2006) auf 5,1 Prozent (2016) gestiegen. Im Zuge des neuen Arzneimittelgesetzes bekommen die Apotheker ab sofort auch die Erstellung von Rezepturen und die Abgabe von Betäubungsmitteln besser vergütet. Bei den Gesundheitsausgaben gab es Korf zufolge in Deutschland 2016 keine Kostenexplosion. Sie stiegen laut OECD-Bericht inflationsbereinigt lediglich um 2 Prozent. Und durch den demografischen Wandel sieht Korf gute Chancen für den Beruf des Apothekers. Denn perspektivisch wird es einen Mangel an Gesundheitskräften und damit auch einen steigenden Bedarf an Heilberuflern geben. Also eigentlich alles schön, wäre der deutsche Apothekenmarkt nicht einer Wettbewerbsschieflage durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Oktober 2016 ausgesetzt. Da ausländische Versandhändler sich seitdem im Gegensatz zu den deutschen Vor-Ort-Apotheken bei Rx-Medikamenten nicht mehr an die Arzneimittelpreisbindung halten müssen, sieht Korf die Offizine hierzulande mittelfristig unter Kostendruck. Gerade kleinere Betriebe auf dem Land könnten dem Konkurrenzdruck nicht lange standhalten.

Schon jetzt geht die Zahl der Offizinen bundesweit kontinuierlich zurück. Allein im ersten Quartal 2017 sind Korf zufolge 80 Apotheken vom Netz gegangen. Damit sinkt die Zahl der Apotheken erstmals seit den 90er-Jahren unter die Schwelle von 20.000. Ende 2016 waren es nach ABDA-Angaben noch 20.023. Wenn der Rx-Versand erstmal Fahrt aufnimmt, befürchtet Korf mittelfristig herbe wirtschaftliche Verluste für die Apotheken.

Derzeit erwirtschafte eine Apotheke 80 Prozent ihres Umsatzes mit Rx-Medikamenten. Der Anteil der Versandapotheken liege hier bislang «nur» bei 1 Prozent. Deshalb werde der Rx-Versandhandel auch von vielen Befürwortern als nicht systembedrohend gesehen. «Aber der Irrsinn geht jetzt erst los», warnt Korf. Mittelfristig sieht sie den Anteil der Versandapotheken am Rx-Umsatz bei 10 Prozent. Für die Offizinen bedeute dies Absatzeinbußen von 70 Millionen Packungen und mehr als eine halbe Milliarde Euro weniger an Rohertrag.

Auch ABDA-Wirtschaftsexperte Eckart Bauer unterstreicht den drohenden negativen Einfluss der Konkurrenz durch den Rx-Versand und möglicher gedeckelter Rabatte. Die Durchschnittsapotheke gibt Bauer zufolge aktuell rund 37.500 Rx-Packungen ab. «Die Boni würden direkt durchschlagen auf das Betriebsergebnis.» 2016 lag das Betriebsergebnis der Durchschnittsapotheke nach Angaben des Wirtschaftsexperten bei 142.622 Euro. Bereits ein Preisnachlass von 1 Euro pro Rx-Packung würde das Betriebsergebnis unter 100.000 Euro drücken. (et)

Foto: PZ/André Wagenzik

 

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