Apothekenwirtschaftsbericht

Apothekenwirtschaftsbericht 2018-04-26T09:40:50+00:00
Ort Datum Tag Von Bis Veranstaltungsart
Dorint Hotel 25. Apr 2018 Mi 10:45 Uhr 12:00 Uhr Vortrag
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Versender legen im Rx-Markt zu

Der Versandhandel mit Arzneimitteln hat beim Absatz rezeptpflichtiger Präparate im vergangenen Jahr deutlich zugelegt – Präsenzapotheken hingegen gaben weniger Packungen ab. Das machte Claudia Korf (Foto), Leiterin des ABDA-Geschäftsbereichs Ökonomie, heute beim Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands (DAV) in Potsdam deutlich. Demnach konnten die Versender im vergangenen Jahr 5,8 Prozent mehr rezeptpflichtige Arzneimittelpackungen abgeben als 2016. Bei den öffentlichen Apotheken stand am Jahresende ein Minus von 0,3 Prozent.

Zwar ist der Marktanteil des Versandhandels im Rx-Markt mit gerade einmal 1,1 Prozent nach wie vor gering. Trotzdem blicken die Apotheker mit Sorge auf diese Entwicklung. Hintergrund ist vor allem das Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Oktober 2016, das ausländischen Versendern erlaubt, die deutsche Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente zu umgehen. Setzte sich der Trend im Rx-Markt fort, könnte mit Blick auf den Marktanteil der Versender am Ende eine Zahl stehen «die richtig wehtut», so Korf.

Der Versandhandel hatte zuletzt bereits angekündigt, mittelfristig einen Marktanteil von 10 Prozent anzustreben. Laut Korf hätte das viele Apothekenschließungen zur Folge. Insgesamt 66 Millionen Packungen gingen den öffentlichen Apotheken in diesem Fall verloren, dabei würde ein Rohertrag von 550 Millionen Euro in den Versandhandel abwandern. Als langfristiges Ziel haben einige Versender sogar 25 Prozent Marktanteil genannt. Für deutsche Offizinapotheken würde das ein Verlust von 1,5 Milliarden Euro Rohertrag bedeuten. «Das können wir nicht überleben und wir werden alles tun, um das zu verhindern» sagte Korf.

Dabei war bereits 2017 ein schlechtes Jahr mit Blick auf die Anzahl der Apotheken. Wie aus dem aktuellen Apothekenwirtschaftsbericht des DAV hervorgeht, gab es Ende 2017 insgesamt 19.748 Apotheken und damit 275 Betriebe weniger als 2016 (Saldo 2016: minus 226). Vor allem die vergleichsweise hohe Zahl der Schließungen nannte Korf besorgniserregend. So konnte für 114 Apotheken kein Käufer gefunden werden (2016: 75). Immerhin scheint sich der Trend in diesem Jahr nicht genauso rasant fortzusetzen. Einer Hochrechnung des DAV zufolge sind im ersten Quartal effektiv 75 Betriebe vom Markt verschwunden. Da im zweiten und dritten Quartal erfahrungsgemäß weniger Apotheken schließen als zu Beginn und gegen Ende eines Jahres, dürfte die Zahl der Betriebe 2018 nicht ganz so stark sinken wie im vergangenen Jahr. (sch)

25.04.2018 l PZ
Foto: PZ/André Wagenzik

 

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