Begrüßung und politischer Lagebericht

Begrüßung und politischer Lagebericht 2017-04-28T09:52:26+00:00
Ort Datum Tag Von Bis Veranstaltungsart
Radisson Blu Hotel Berlin 26. Apr 2017 Mi 10:00 Uhr 10:45 Uhr Eröffnung

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

die vergangenen Monate waren für uns alle eine äußerst bewegte Zeit. Die Zusage der Politik, eine längst fällige Vergütungsanpassung bei Rezepturen und für dokumentationspflichtige Arzneimittel vorzunehmen, konnten wir als Erfolg verbuchen. Auch die Einigung mit dem GKV-Spitzenverband beim Thema Null-Retaxationen sowie das geplante Verbot der Zytostatika-Ausschreibungen sind positive Signale für alle Apotheker. Dagegen hat das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu Boni im grenzüberschreitenden Versandhandel Turbulenzen verursacht, die uns noch lange beschäftigen werden. Der Umgang der Politik mit diesem Urteil sowie die weiterhin ausstehende Anpassung des Fixhonorars werden daher zentrale Themen unseres diesjährigen DAV-Wirtschaftsforums sein.

Der erste Forumstag beginnt traditionell mit dem politischen Lagebericht sowie aktuellen Wirtschaftsdaten rund um die Apotheke. Gerüstet mit diesen Informationen diskutieren wir im Anschluss unsere Positionen mit den gesundheitspolitischen Sprechern der im Bundestag vertretenen Fraktionen. Hier werden wir auch erörtern, welche unserer Überlegungen zur Weiterentwicklung des pharmazeutischen Berufsbildes („Apotheke 2030“) in der neuen Legislaturperiode politische Unterstützung finden werden. Dass wir dabei die Themen Versandhandel und Honorierung apothekerlicher Leistungen nicht ausklammern werden, versteht sich von selbst. Wir tauschen uns jedoch nicht nur mit der Politik, sondern auch regelmäßig mit unseren Marktpartnern aus und haben in diesem Jahr den Verband der Privaten Krankenversicherung eingeladen. Wir freuen uns sehr, dass der Vorstandsvorsitzende Uwe Laue unser Gast ist und über Bereiche der Zusammenarbeit zwischen PKV und den öffentlichen Apotheken sprechen wird.

Am zweiten Forumstag starten wir mit einem hochinteressanten pharmazeutischen Vortrag: Manfred Schedlowski, Professor für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen, wird uns erläutern, wie der Placebo-Effekt die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert und so konkret zum Behandlungserfolg beitragen kann. Daran anschließend werden wir nicht mehr und nicht weniger als „Die Zukunft der Arzneimittelversorgung“ erörtern und haben dazu drei Referenten eingeladen, die dieses Thema aus ihrer jeweiligen Perspektive beleuchten: Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Marion Köstlmeier, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Diabetikerbundes Bayern, und Christian Krüger, Geschäftsbereichsleiter Digitale Dienste der Avoxa. Im Anschluss an die Impulsvorträge findet eine moderierte Diskussion statt, an der neben den Referenten auch Vertreter der Apothekerschaft teilnehmen. Zum Abschluss des diesjährigen Wirtschaftsforums erklärt uns der prominente Sozialwissenschaftler und Jugendforscher Professor Klaus Hurrelmann, wie die „Generation Y“ der heute 22- bis 37-Jährigen tickt und wie Apotheken sich auf diese neue Kundengeneration einstellen können.

Unser Veranstaltungsort in Berlin-Mitte gegenüber der Museumsinsel bietet ideale Voraussetzungen für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm und liegt gleichzeitig in unmittelbarer Nähe zum politischen Geschehen. Besonders freuen wir uns auf interessante Gespräche am Mittwochabend beim Pharmazeutentreff im festlichen Ambiente der „Osteria Maria“ in Berlin-Steglitz.

Nutzen Sie die Gelegenheit, aktuelle Apothekenthemen zu erörtern und gleichzeitig neue Perspektiven zu gewinnen. Ich freue mich auf Ihren Besuch beim 54. DAV-Wirtschaftsforum in Berlin.

Fritz Becker

News: 26.04.2017 l PZ

Hilfsmittel: DAV-Chef sieht neues Gesetz kritisch

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) sieht auch nach Inkrafttreten des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes Schwachstellen in der Versorgung. Das machte DAV-Chef Fritz Becker heute beim Wirtschaftsforum in Berlin deutlich. Die Novelle verpflichtet die Krankenkassen unter anderem dazu, bei Hilfsmittelausschreibungen nicht nur den Preis, sondern verstärkt auch die Qualität eines Produkts zu berücksichtigen.

Darüber hinaus wird künftig schärfer überwacht, ob Anbieter Aufzahlungen von den Patienten verlangen. Becker begrüßte diese Neuerungen zwar, sprach aber dennoch nur von einem Teilerfolg. «Meine Befürchtung ist, dass sich für die Versicherten in der Praxis nicht allzu viel ändern wird», sage er. Man müsse zunächst beobachten, ob die Patienten nun tatsächlich qualitativ hochwertigere Produkte erhalten, ohne eine Aufzahlung leisten zu müssen.

Für die Apotheker bringt das Gesetz mehr Dokumentationspflichten mit sich. «Dies ist für uns nicht tragbar – schon gar nicht, wenn dieser Mehraufwand keinerlei Zusatznutzen für die Qualität der Hilfsmittelversorgung mit sich bringt», so Becker. Gerade kleine Apotheken könnten aufgrund der zusätzlichen Bürokratie entscheiden, nicht mehr an der Hilfsmittelversorgung teilzunehmen. Becker hofft daher, «dass Bereitschaft besteht, nach einiger Zeit nüchtern zu betrachten, ob nicht die eine oder andere Dokumentationspflicht ohne Qualitätsverlust wieder zurückgenommen werden kann».

Als «bürokratischen Wahnsinn» bezeichnete Becker auch den Vorstoß der AOK mit Blick auf Lieferengpässe bei Arzneimitteln. Anfang März hatte die Kasse gefordert, alle Akteure der Handelskette und damit auch die Apotheker sollten ihre Lagerbestände regelmäßig an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte melden. Zwar brauche man eine Lösung für das Problem der Lieferschwierigkeiten, sagte Becker. Aber: «Einen übertriebenen bürokratischen Aufwand lehnen wir entschieden ab.»

Becker sprach auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen an. Künftig wird es verstärkt darum gehen, die einzelnen Akteure miteinander zu vernetzen. Voraussetzung dafür ist der Anschluss an die sogenannte Telematik-Infrastruktur (TI). Die Apotheker sollten frühzeitig mit entsprechenden TI-Komponenten ausgestattet werden, sagte Becker. Der DAV habe dazu nun Verhandlungen mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen, in denen es auch um eine Finanzierungsvereinbarung gehen soll. «Ich hoffe, dass wir trotz der komplexen Materie zeitnah eine Verständigung erzielen können.» (sch)

Sprecher:

 

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