Die nächste Generation der Apothekenkunden: Was braucht die „Generation Y“?

Die nächste Generation der Apothekenkunden: Was braucht die „Generation Y“? 2017-04-28T09:06:51+00:00
Ort Datum Tag Von Bis Veranstaltungsart
Radisson Blu Hotel Berlin 27. Apr 2017 Do 14:00 Uhr 15:30 Uhr Vortrag

Als „Generation Y“ bezeichnen Soziologen die Menschen, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden. Und diese nehmen ihr Leben auf ganz andere Art in die Hand als ihre Vorgängergenerationen. Dafür stehen Stichworte wie Anti-Materialismus, Work-Life-Balance oder ein neues Umweltbewusstsein.

Der renommierte Jugendforscher Klaus Hurrelmann beleuchtet in seinem Vortrag, wie sich die „Generation Y“ die Zukunft vorstellt und welche Erwartungen sie an die Arzneimittelversorgung und die Apotheken hat. Denn das wird auch das künftige Anforderungsprofil der Pharmazeuten beeinflussen. Im Anschluss an den Vortrag bietet sich die Gelegenheit zur Diskussion mit dem Referenten.

News: 27.04.2017 l PZ

Generation Y: Anspruchsvolle Mitarbeiter und Kunden

Junge Apothekenangestellte wollen flache Hierarchien, häufige Rückmeldungen durch den Chef und flexible Arbeitszeiten. Das sagte Professor Klaus Hurrelmann (Foto) von der Hertie School of Governance im Rahmen eines Vortrags beim DAV-Wirtschaftsforum mit dem Titel «Die nächste Generation Apothekenkunden: Was braucht die Generation Y?». Auch junge Apothekenkunden kämen mit neuen Vorstellungen in die Offizin, so Hurrelmann. Sie seien häufig gut über den eigenen Gesundheitszustand informiert und wünschten sich, dass die Apothekenangestellten dieses Vorwissen sensibel aufnehmen und Wissenslücken mit ihrer Fachkompetenz füllen.

Als Generation Y bezeichnen Jugendforscher Menschen, die zwischen 1985 und 2000 geboren wurden. Diese Jahrgänge seien durch drei große Entwicklungen geprägt, so Hurrelmann. Erstens nutzten sie seit ihrer Kindheit digitale Medien und seien es gewohnt, ständig erreichbar und verfügbar zu sein. Zweitens sei insbesondere ihre frühe Jugend durch große Verunsicherung geprägt gewesen: Terroranschläge, Wirtschaftskrisen und die ökologische Katastrophe von Fukushima hätten den jungen Menschen vermittelt, dass sie sich auf nichts verlassen können, so Hurrelmann. Sie hielten sich deshalb stets verschiedene Optionen offen und seien äußerst flexibel. Drittens habe die Generation Y eine auffällig enge Bindung zu ihren Eltern, grenze sich nur wenig ab und sei recht unpolitisch.

Apothekenleiter müssten sich bewusst sein, dass Angestellte der Generation Y ihren Beruf selten aus Statusgründen gewählt haben, sondern aus Freude am Fach, sagte Hurrelmann. Die jungen Leute wünschten sich ein gutes Betriebsklima und seien schnell bereit zu kündigen, wenn ihnen ihre Arbeitsbedingungen nicht gefallen. Diesen Angestellten sei es besonders wichtig, Beruf und Familie vereinbaren zu können, weshalb sie häufig auf flexible Arbeitszeiten bestünden. Apothekenleiter sollten diese Punkte berücksichtigen, wenn sie junges Personal langfristig an ihre Offizin binden wollen, so der Professor.

Auch die Kunden der Generation Y stellten Apotheker vor neue Herausforderungen, so Hurrelmann weiter. Durch die hohe Online-Affinität und die Bereitschaft, ständig neue, bessere Optionen zu suchen, sei es auf den ersten Blick schwierig, diese Menschen dauerhaft an eine Offizin zu binden. Wer sich jedoch darauf einlasse, das online erworbene Vorwissen dieser Kunden nicht abtue, sondern aufnehme und sensibel ergänze, habe gute Chancen, junge Stammkunden zu gewinnen. Es sei wichtig, diesen Patienten viele digitale Angebote in Form von Apps und übersichtlich gestalteten Homepages zu machen und ihnen das Gefühl zu geben, ihnen «die Wünsche von den Lippen abzulesen», so Hurrelmann. Dann kämen sie gerne wieder.

Eine traurige Begleiterscheinung der Generation Y nannte Hurrelmann auch: Sie sei wenig stressresistent und verfüge oftmals über ein geringes Durchhaltevermögen in schwierigen Lebenssituationen. Dies passt zum Eindruck eines Apothekers aus dem Publikum, der erzählte, besonders viele seiner Kunden aus der Generation Y litten unter Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen. (ap)

Foto: PZ/André Wagenzik

 

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