Die Zukunft der Arzneimittelversorgung

Die Zukunft der Arzneimittelversorgung 2017-04-28T08:55:20+00:00
Ort Datum Tag Von Bis Veranstaltungsart
Radisson Blu Hotel Berlin 27. Apr 2017 Do 10:15 Uhr 12:30 Uhr Vortrag

Worauf müssen sich die öffentlichen Apotheken in den kommenden Jahren einstellen? Welche Veränderungen wird die Digitalisierung bringen? Wie sind die Erwartungen der Verbraucher an die künftige Arzneimittelversorgung, welche Anforderungen stellen sie an die Apotheken, und was wünschen sich die Patientenorganisationen?

Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Marion Köstlmeier, stellvertretende Vorstandsvorsitzende Diabetikerbund Bayern und Christian Krüger, Leiter Digitale Dienste der Avoxa werden ihre Positionen und Zukunftsprognosen vorstellen. Anschließend diskutieren die Referenten mit Vertretern des Deutschen Apothekerverbandes darüber, welche Herausforderungen und Konsequenzen dies nach ihrer Meinung für die Zukunft der Arzneimittelversorgung und die Apotheken haben wird.

News: 27.04.2017 l PZ

Vzbv-Chef: Versandapotheken sind unverzichtbar

Die Zukunft der Arzneimittelversorgung ist aus Sicht des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) nicht ohne Versandapotheken denkbar. Das machte vzbv-Chef Klaus Müller (Foto) heute beim Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands in Berlin deutlich. Zwar seien die Präsenzapotheken eine unverzichtbare Anlaufstelle für viele Patienten. «Die persönliche Beratung in der Apotheke ist kein Auslaufmodell, sondern wichtig», so Müller. Viele Verbraucher schätzten jedoch auch die Versandapotheken. Ein pauschales Versandverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel, wie Apotheker und Teile der Politik es derzeit fordern, lehnte Müller daher ab. «Einen etablierten Vertriebskanal zu verbieten, ist nicht verhältnismäßig.» Stattdessen sei vielmehr eine vernünftige Regulierung erforderlich.

Im vergangenen Herbst hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, dass die deutsche Arzneimittelpreisverordnung für ausländische Versender nicht gilt. Sie dürfen ihren Kunden daher Rabatte auf rezeptpflichtige Medikamente gewähren, während für deutsche Apotheken weiterhin das Boni-Verbot gilt. Die Apotheker müssen die Konkurrenz aus dem Internet Müller zufolge dennoch nicht fürchten. Boni seien zwar ein finanzieller Anreiz für die Verbraucher. «Auf der anderen Seite steht aber die persönliche Beratung und das große Vertrauen, das Apotheker in der Bevölkerung genießen», sagte er. Die Apotheker sollten daher nicht länger gegen den Rx-Versandhandel kämpfen, sondern ihre Stärken deutlicher herausstellen.

Wie sehr gerade chronisch kranke Menschen die Apotheke vor Ort schätzen, machte Marion Köstlmeier vom Diabetikerbund Bayern deutlich. «Die persönliche Beratung ist für viele wichtiger als der Preis» berichtete sie aus ihrer Erfahrung. Das EuGH-Urteil weist aus ihrer Sicht in die falsche Richtung. Sie befürchte, dass nun bald die erste Krankenkasse einen Vertrag mit einer Versandapotheke abschließen könnte, der die Diabetiker zwinge, ihre Dauermedikation über das Internet zu beziehen, sagte sie.

Die Digitalisierung in der Arzneimittelversorgung spiegelt sich natürlich nicht nur im Versandhandel wider. Apotheken seien bereits sehr fortschrittlich, wenn es um die Digitalisierung im Backoffice gehe, sagte der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbands, Hans-Peter Hubmann. Er forderte darüber hinaus einen elektronischen Medikationsplan, auf den neben den Ärzten auch die Apotheker zugreifen können. Auch vzbv-Chef Müller sprach sich in diesem Punkt für eine stärkere Einbindung der Apotheker aus: «Sie sind die wahren Experten für Arzneimittelwissen.»

Dieses Know-How ist heute vielfach gefragter denn je. Im Internet treffen Patienten auf eine Fülle an Informationen rund um Gesundheit und Arzneimittel, die sie selbst nicht einordnen können. Apotheker könnten hier als Lotsen fungieren, sagte Christian Krüger, IT-Experte der Mediengruppe Avoxa. «Die digitale Gesundheit braucht Apotheker.» Gerade mit Blick auf die junge Generation, die selten in der Apotheke, dafür aber häufig im Internet unterwegs sei, müssten Apotheker digitale Angebote entwickeln. «Wir müssen überlegen, wie wir einen Mehrwert für die Kunden schaffen können», so Krüger.

Müller riet den Apothekern, neue Angebote im Dialog mit den Kunden zu entwickeln, um deren Bedürfnissen gerecht zu werden. «Sie verkaufen ein Produkt, von dem 99 Prozent der Verbraucher nichts bis wenig verstehen», sagte er. Die Patienten seien auf die Apotheke als vertrauenswürdige Quelle regelrecht angewiesen. (sch)

Foto: PZ/André Wagenzik

 

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